Was ist eigentlich aus Blackhat-SEO geworden?

SEO, das wissen inzwischen die Meisten, bedeutet Search Engine Optimization. Auf gut deutsch also der unhandliche Begriff „Suchmaschinenoptimierung“, welcher die meisten Sidebars und Menüs wegen Überlänge sprengt.

Zu den üblichen SEO-Methoden zählte in der Vergangenheit

  • fehlerfreie, ordentliche Programmierung
  • schnelle Lade- und Renderinggeschwindigkeit, geringe Seitengröße (bzgl. Dateiübertragungsmenge)
  • Inhaltlicher, technischer Aufbau wie H1-H6 Überschriften, strong-tags, uvm.
  • Inhaltlicher, textlicher Aufbau, Textmenge und Platzierung
  • Bilder, Bilderanzahl und Plazierung so wie alt-tags
  • Interne und externe Links, URL-Benennung, struktureller Aufbau
  • und noch so einiges mehr

Über die Jahre hat Google einiges davon immer weniger und schließlich garnicht mehr gewertet. Was heute noch SEO-relevant ist und was nicht, betrachte ich als mein Betriebsgeheimnis. Externe Links waren jedoch schon vor 10 Jahren Google ein Dorn im Auge, denn es war am attraktivsten und einfachsten für Blackhat-SEO Anbieter. Mithilfe von Spam-Bots werden bis heute „Viagra“-Backlinks überall gepostet, wo kein digitaler Automatismus genau das verhindert.

Blackhat-SEO

Als Blackhat-SEO bezeichnet man grob gesagt sämtliche Methoden, Suchergebnisse auf unfaire, je nach Land evt. sogar wettbewerbswidrige Art und Weise zu manipulieren und sehr künstlich zu verändern. Lesenswert hierzu zum Beispiel dieser Artikel aus dem Jahr 2015, über den ich eben gestolpert bin und welcher meinen heutigen Post angestoßen hat: https://omr.com/de/black-hat-seo-jeff-deutsch/

Tja, das waren noch Zeiten. Und der verlinkte Artikel stellt dabei nur die Spitze des Eisbergs da. Die Blackhat-SEO Methoden waren zahlreich in der Vergangenheit. Im Jahr 2010 war es mit ordentlichem Whitehat-SEO, also meiner obigen Liste, ebenfalls kein Problem, eine Seite mit mittelstarker Konkurrenz auf Platz 1 zu bringen. Heute ist das anders, und für die meisten Kunden nur schwer zu verstehen.

Wenn aber nun „illegales“ Link-Building und viele andere Blackhat-SEO Methoden nicht mehr funktioniert oder sogar negative Effekte bis hin zum Google-Bann haben können, gibt es dann Blackhat-SEO überhaupt noch? Und wie sieht es aus?

Nicht ganz neu, aber leider durch Google-Updates der letzten Jahre ganz groß in Mode ist der Trend zu Click-Bots und Click-Arbeitern, hauptsächlich aus Schwellenländern. In einer Dokumentation sah ich kürlich ein Bild, welches ich leider aus Urheberrechtsgründen nicht posten kann. Deshalb beschreibe ich es: Mehrere, teilweise sehr junge Frauen, standen vor ca. 5 Reihen von „Regalen“. Diese Regale waren ähnlich pyramidenförmiger „Displays“, wie wir sie aus Kaufhäusern, z.B. als Waren-Regal für CDs kennen, und jedes kleine Fach war befüllt mit einem angeschlossenen Handy. Der Sprecher der Doku erklärte, jedes Handy sei 24h am Tag in Betrieb und hätte einen eigenen VPN-Zugang. Die Regale waren nach Erdteilen und Ländern aufgeteilt. Die click-arbeitenden Frauen liefen die Regale von linsk nach rechts und oben nach unten ab, und clickten. Das war ihr ganzer Beruf, den ganzen Tag clicken, auf etwa 2000 Handys. Der Lohn war entsprechend dem Lohn einer Näherin aus Indien. Das große Geld nahm der dicke Geschäftsführer ein, er verkaufte Facebook-Likes, digitale Freundschaften und eben auch SEO-Clicks im 10.000er Paket online in die restliche Welt. Die aktuellen Preise für SEO-Clicks liegen bei etwa 100€ für 500 clicks mit vorangegangener Suche. Dabei werden nicht nur die Wunsch-Seiten nach oben geclickt (durch lange Verweildauer auf der Seite, die Google positiv bewertet), sondern gleichermaßen Konkurrenzseiten nach unten geclickt (durch sehr kurze Verweildauer auf der Webseite und sofortige Rückkehr zu Google – Google zählt das als „Nichtgefallen“).

Funktioniert die Click-Methode denn? Ja, besser denn je. Da Google die maschinellen Clicker, also Bots, recht zuverlässig nach einiger Zeit erkennt, ist der Markt für Click-Arbeiter größer denn je. Sobald Werbe-Geld im Spiel ist, wie z.B. bei Youtube oder Google Adwords, sprechen die öffentlichen Medien auch tatsächlich von „Click Betrug“.

Als Nutzer ärge ich mich inzwischen regelmäßig über die sinkende Qualität der Google-Ergebnisse. Ich finde einfach nicht mehr, was ich suche. Schuld daran haben leider beide Seiten des SEO, auch die aktuellen Whitehat-Methoden mit ständig wachsendem Textumfang haben die inhaltliche Qualität vieler Webseiten und den Wert von Google (für mich persönlich) in’s Absurde getrieben. Wenn ich eine kurze, einfache Antwort suche, möchte ich keinen überoptimierten Artikel finden, der länger als das Wikipedia-Äquivalent ist, und den Werdegang der gesuchten Sache bis zu Steinzeit erklärt. Noch weniger aber möchtige finden, was überhaupt nicht dort hingehört, Seiten die ganz offensichtlich durch Click-Jobs an Ihren Platz gebracht wurden. Dort ist der Wert für mich exakt null.

Das einzig positive an den hochgeclickten Seiten ist: Ihr Platz ist selten von Dauer, stellt man den künstlichen Traffic irgendwann ab, und wurde er mangels Inhaltsqualität der Seite bis dahin nicht durch echten, organischen Traffic substituiert, ist der Drop vorhersehbar. Und man sollte sich nicht wundern, wenn Click-Anbieter ihre Methoden dann gegen die ehemaligen Kunden richten, sobald diese aufhören zu bezahlen. 😉

Schon vor 8 Jahren sagte ich bei jedem SEO-Angebot dem Kunden: „Sowas mache ich nicht.“ Punkt. Ich muss es auch nicht machen, eine Google-Suche dürfte jeden schnell fündig werden lassen, der ein PayPal Konto hat und gerne risikofreudig lebt. Ich kann von solchen Methoden nur abraten, auf kurz oder lang identifiziert Google das und straft es ab. Blackhat-SEO benötigt keinerlei Sachkenntnis und wird von entsprechenden Charakteren ausgeübt (siehe oben verlinkter Artikel). Und selbst im alt-eingesessenen Blackhat-SEO-Forum rümpfen spätestens bei Click-Bots und Click-Arbeitern die meisten Blackhats ihre Nase. Man muss sich so oder so in jedem Fall vor Augen halten: Irgendwer muss diese menschlichen Click schließlich „produzieren“ – und ich möchte das keinem antun.

 

MG