State of SEO – 2021

Ich könnte ja nun prahlen, SEO-Erfolgsgeschichte, die alten Methoden funktionieren immernoch, … aber das wäre gelogen. Der Screenshot zeigt, wie so oft, nur einen Ausschnitt der Realität.

Auf der Haben-Seite steht, dass ich es geschafft habe, meine Seite für 3 Top-Begriffe zu optimieren. Das hat über 1 Jahr und viele tausend Zeilen Text gekostet, handgeschrieben. Vor 2019 war auf meiner Webseite weder vom Mediengestalter, noch von IT-Consulting etwas zu lesen. Es war ungefähr in dem Zeitraum, in dem ich einen Strategiewechsel für ARTunchained als notwendig gesehen habe, auf die Gründe möchte ich nun nicht weiter eingehen.

Von „nichts“ auf die ersten Plätze – das wünschen sich viele meiner Kunden, die wenigsten möchten leider den anstrengenden Weg mitgehen und Ihre Webseite dabei mit unsäglichen Textmengen versehen und mit teuren Suchmaschinen-Optimierungen umbauen (lassen). Denn SEO geht in’s Frontend, und bedeutet deshalb, dass man nah, häufig und lange mit mir zusammenarbeiten und kommunizieren muss. Das sind meine Kunden nicht gewohnt. Normalerweise schickt man mir eine Email und sieht ein paar Tage später, dass es erledigt wurde, ich arbeite unsichtbar, leise, antworte erst mit der Rechnung. Aber SEO funktioniert, wenn überhaupt, so eben nicht mehr – es braucht Zeit, Geduld, Ausdauer, viel Eigeninitiative und tiefe Taschen.

Der Screenshot zeigt leider auch zwei weitere Schattenseiten nicht. Erstens: Obwohl ich nichts mit Medizin, Kosmetik oder Vitaminpillen zu tun habe, ist mit dem Medic-Update (eine Art Negativ-Meilenstein, fachkundige Kollegen werden verstehen, warum) für mich traditionelles SEO immer mehr in den Hintergrund getreten. Der Weg für die Suchbegriffe „Mediengestalter“ und „Mediengestaltung“ war nicht einfach, ich war damit erfolgreich, doch schon mittendrin habe ich gemerkt: Mist. Denn Google hat zum Zeitpunkt des Medicupdates für derartige Suchbegriffe plötzlich komplett andere Ergebnisse gezeigt. Wo früher andere Grafikdesigner, Webagenturen und ich gelistet waren, standen plötzlich Job-Plattformen und Stellenanzeigen, Ausbildungsplätze und ähnliches. Und so erhalte ich seit meiner erfolgreichen Maßnahme mehr Anfragen – für Praktikumsplätze. Für kurze Zeit hat sehr viele Suchbegriffe ein ähnliches Schicksal ereilt, eine Weile sogar der beliebte „Webdesigner“. Bei diesem und ein paar anderen hat Google später wieder zurückgerudert. Google hat also einfach mal eben den Search-Intent für die Begriffe auf links gedreht und scheinbar stehe ich nun da, zwischen Monster.de und LinkedIn Jobs. Ich habe schon seit einer Weile nicht mehr nachgesehen.

Die zweite Schattenseite sieht man in den absoluten Zahlen. Ganze 1 Nutzer haben seit November 2020 eine Wegbeschreibung angefordert und volle 8 haben meine Webseite besucht. Wow. Ich muss für meine vielen Ferraries also endlich eine dritte Garage bauen lassen.

TL;DR:

1.) SEO geht noch, aber nur wenn Sie viel Zeit und Geld reinstecken
2.) Auch bei Erfolg ist der Erfolg sehr ungewiss und kann von Google jederzeit verändert werden

Fazit: Klassisches Online-Marketing ist heutzutage so präzise, dass es die bessere Variante ist. Leider schreckt es viele Kunden, auch mich, mit hohen laufenden Kosten ab. 5-500€ pro Klick / Lead, das ist für kleine Läden ein zu großes Risiko. Mein Tipp ist deshalb: Setzen Sie auf Youtube oder Instagram  – ich hatte jedesmal damit Erfolg, wenn ich es ernsthaft betrieben habe. Zugegebenermasen bin ich nicht der Typ, der gerne vor der Kamera rumhampelt und Sachen erklärt, die schon 400 andere Leute vor mir erklärt haben. Aber, es funktionert. Was allerdings viel besser funktioniert: Hände schütteln. In Freiburg ist das leider sehr schwer. In Hamburg oder Berlin müsste ich nur durch die einschlägigen Bezirke gehen und wäre mittendrin in vier verschiedenen Business-Events, zu mindest vor der Pandemie.

Was ich in 12 Jahren über Google (und dabei lange Zeit auf Platz 1 als Webdesigner) an Aufträgen reingekriegt habe, ist für mich komplett irrelevant, diverse Kollegen haben mir ähnliches gesagt. Das ist natürlich stark branchenabhängig, speziell für Auftrags-Dienstleistungen sieht es schlecht aus, für Produkte und Produkt-ähnliche Leistungen allerdings deutlich besser. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Produkt teuer ist, man viel falsch machen kann und dementsprechend es viel Vertrauen erfordert, mit mir zu arbeiten. Einer von vielen Gründen, warum ich mich entschieden habe, kein Webdesigner mehr zu sein, zu mindest nicht primär.

 

Manuel Geissinger, zertifizierter IT-Sicherheitsexperte, Webedesigner aus Freiburg, Webentwickler, Administrator und Digitalkünstler.
Ihr freiburger Webentwickler Nr. 1 auf LinkedIn Zertifizierter IT Sicherheits-Experte & Webdesigner auf Xing