Denn sie wissen nicht, was sie tun

Ich stehe nun täglich vor dem Häufchen Asche, welcher einst mein Lebenswerk sein sollte und es fühlt sich ein kleines bisschen nach Post-War an, um es in Gamer-Sprache auszudrücken. Ein paar Dinge aus dem Krieg Mensch gegen Virus sind geblieben: Die Stille, die leeren Straßen, die verunsicherten Menschen.

Während sich die etablierte Kaste scheinbar immernoch wegen der ersten Glückstreffer in Punkto Krisenmanagement auf die vergilbte, christlich-sozialdemokratische Schulter klopft, geht auch die von dieser Regierung gewohnte Planlosigkeit wieder los. Irgendwas machen. Nur was? Mist das war verkehrt, Kommando zurück.

Ich möchte einmal ausdrücken, wie sich für mich und meine Familie der durch uns ungewählte Teil der Herr- und Damenschaft anfühlt: Es ist ein Alptraum. Ich kann schon seit Jahren die Nachrichten aus der Regierungsecke kaum noch ertragen. Keine Angst, ich bin kein lügenpressender Flacherdler sondern weiss die professionelle Arbeit sowohl unserer öffentlich-rechtlichen als auch unabhängiger Fachmedien zu schätzen. Als Kleinunternehmer und vorallem ITler fühlt man sich bei fast jedem 2. neuen Gesetz verar***t – entweder weil es die eigenen Lebensumstände weiter, aktiv, erschwert oder weil durch pure Untätigkeit oder Flickschusterei am falschen Ende, passiv, unser Leben als kleine Familie, finanziell und organisatorisch gesehen, schwierig bis unerträglich bleibt.*

Die große Erkenntnis des Fachbereichs Psychologie im 21. Jahrhundert: „Die meisten Menschen haben garkeine Depressionen, denen ihr Leben ist einfach besch***. Deswegen helfen weder konventionelle Therapien, noch Medikamente und schon garkeine tiefenpsychologische Analyse oder Verhaltenstherapie. Wir [Psychologen] müssen den Menschen helfen, damit ihr Leben besser wird.“ – Jordan Peterson, sinngemäß zitiert und übersetzt. Herr Peterson, den ich übrigens sehr respektiere und schätze, hat daraufhin ein Programm erfunden, dass den Patienten helfen soll, ihr Leben zu verbessern, genannt „Future Authoring Program“.

Was geht mich das an? Für Depressionen habe ich seit ein paar Jahren keine Zeit mehr, denn ein Unglück jagt das nächste in meinem Leben. Mehr als reagieren ist kaum noch möglich. Trotzdem habe ich mir hohe Ziele gesetzt, und vielleicht sind es gerade diese Ziele, die mich mental über Wasser halten, obwohl das Erreichen körperlich und geistig mir alles abverlangt und ich bis zur Erschöpfung kämpfe. Try Harder – das Motto von OffSec.

Eins jedoch könnte ich nicht mehr ertragen: wenn mein Einsatz umsonst gewesen sein soll, wenn ich vielleicht in ein paar Monaten Insolvenz anmelden oder einfach den Laden schließen muss, nachdem ich durch meine eigene Leistung gerade 2018/2019 deutlich schwärzere Zahlen geschrieben hatte, als in den Jahren zuvor. Ich erlebe das nach der Finanzkrise 1.0 im Jahr 2010 nun zum zweiten mal.

Die nächste Schulschließung ist vorprogrammiert, von neuen Förderprogrammen für die strauchelnden, kleinen Unternehmen (und homeschoolende Eltern) keine Spur. Im Kern die politische Aussage „das sei ja nun auch die natürliche Auslese, wenn Unternehmen nicht überleben. Survival of the fittest.“ – so etwas behaupten ernsthaft Regierende, welche den wirtschaftlichen Herzinfarkt befohlen haben, um die Schwächsten der Gesellschaft zu schützen?

Die Reichen und Mächtigen, bei denen man zwischen Dekadenz und mangeldem Verständnis für Menschenrechte, wie das Recht auf freie Berufs- oder Partnerwahl, kaum noch unterscheiden kann, haben derweil andere Sorgen: Wer soll in Zukunft den Laden leiten, wenn Frau M. kein Bock mehr hat? Flux ein paar ausgesucht, Eignung ist etwas anderes. Man wählt zwischen Pontius und Pilatus, zwischen Bankenflitchen und streng katholischen Braunkohle-Massentierhaltungsfreunden.

Wer wählt das denn noch? Laut Fachkreisen so ziemlich jeder, der pflegebedürftig ist und kognitiv die besten Zeiten hinter sich hat. Warum ist das so, fragte ich gestern meine Frau. Weil diese Parteien  den alten Menschen vertraut sind, und alles andere macht ihnen Angst. Sie denken, da können sie nichts falsch machen, auch für uns und unsere Kinder. Und schließlich die Nachkriegs-CDU mit ihren Leistungen. Man muss sich damit abfinden, dass das nicht mehr zu ändern ist, denn die Überalterung im Land schreitet fort und die Menschen werden nicht nur immer älter, sondern bleiben auch immer länger alt.

Dass unsere Parteien diesen glücklichen Umstand der zementierten Herrschaft schon vor Jahren begriffen haben, zeigt sich in ihrer Handlungsunfähigkeit. Sie mussten nie handeln, und wenn sie es doch taten und das Ergebnis wieder mal ne Katastrophe für uns Menschen war, am Wahlergebnis hat es nichts entscheidendes geändert. Naja fast, aber das müssen sie nun eben während der gelegentlichen Treffen im Bundestag ignorieren. Falls es ganz schlimm wurde, konnte man ja einfach ein Stadion bauen lassen, die Bürokratie weiter ausbauen, eine Rechtschreibung mit unvergleichbarem geistigem Erbe auf links drehen (und danach Undo drücken), oder dafür sorgen, dass die Kassen noch knapper werden, das Abitur vermurksen und Kindern gleich zu Beginn den ersten BurnOut mit auf den Weg geben – das lenkt schließlich das gemeine Volk ausreichend ab, Brot und Spiele sind garnicht mehr nötig, kann ja eh keiner mehr bezahlen. Einmal pro Monat Döner oder Pizza essen gehen und ein Netflix-Abo sind der Europa-Park des 21. Jahrhunderts.

Ich kann nur noch bitten: Lasst wenigstens diejenigen Handeln, die das noch nicht verlernt haben, oder noch besser, geht bitte endlich. Ihr hattet euren Spaß, ihr habt unseren Planeten nachhaltig zerstört, jeden Deutschen bis aufs Unterhemd ausgezogen und an die Top 0.1 % umverteilt, uns Wohneigentum genommen und uns auf engsten Raum eingepfercht, uns dazu verurteilt ein Leben in härtester Arbeitsarmut zu leben oder alternativ die Freiheit gegen Fremdbestimmung durch eine Behörde aus frustrierten, ungebildeten Sadisten einzutauschen. Ihr habt eure Yachten, Villen und Paläste. Geht doch nun endlich, was wollt ihr noch? Ihr könnt das nicht, ihr seid realitätsfern, ihr seid von euren eigenen Beratern, Geschäftsklimaindexlobbyisten und Branchenverbänden geblendet. Ihr seid handlungsunfähig.

P.S.: Mit unserer Landesregierung sind wir zumindest deutlich glücklicher, als mit den Vorgängen auf Bundesebene, bevor es jemand in den falschen Kontext kriegt. Als kleine, mitternächtliche Idee: Österreich ist ja größenmäßig recht ähnlich zu Baden-Württemberg. Aber ich höre Otto von Bismark aus dem Grabe aufstehen, vielleicht mache ich hier lieber Schluss. 😉

 

* Um ein Beispiel zu geben: Machen Sie mal eine Steuererklärung für zwei Anstellungsverhältnisse und einen Freiberuf, in dem Wissen knapp 50% an Einkommenssteuer für ein Gesamteinkommen unter 50.000€ bezahlen zu müssen. Das ist rechnerisch Armut und ich stehe ohne Rente da, denn meine Anstellungsverhältnisse sind immer nur punktuell. Wobei der Arbeitsaufwand für die Steuererklärung bereits vor dem Steuerberater gut 8 Wochen beträgt. Ich alleine würde das garnicht mehr schaffen, es macht größtenteils meine Frau in ihrer „Freizeit“.